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29.08.26 Mk 9,11 Nach 1,5 Jahren geht es endlich weiter.

friedehagen
29. Aug.
5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 3. Sept.

Im Bus von Göttingen nach Weißenborn freue ich mich darauf heute noch ein bisschen weiterpilgern zu können.

Bolle fehlt. Er liegt zu Hause an der Tür und wartet, dass ich zurück komme. Er hat einen Tumor an der Milz und wird am 7.09. operiert. Also laufe ich jetzt erst mal nur eine Woche. Was war alles in der Zwischenzeit? Im Waldkindergarten wurden nach und nach 3 ehemalige Kollegingeen schwanger und ich habe am Ende Vollzeit geschafft. Da war an Pilgern nicht zu denken. Auch an die weitere Vertonung des Markus- Evangeliums war kaum zu denken.

Die Bahnfahrt nach Göttingen war sehr lebhaft. Ich befand mich mitten unter Kaiserslautern Fußballfans, die zu einem Spiel nach Hamburg unterwegs waren. Die waren richtig laut, aber sonst nett. Mir wurde immer wieder Bier angeboten. Aber darauf hatte ich keine Lust. Jetzt geht es in die Abgeschiedenheit des Grünen Bandes: Von Weißenborn aus laufe ich erst mal 800 Meter zur einem Grenzdenkmal. Dann bin ich also erst mal auf der Strecke. Und dann sehen wir weiter. Mein Zelt habe ich gestern im strömenden Regen testweise aufgebaut. Ich hoffe, das bleibt mir in der Pilgerwoche, die ich nun habe erspart.

Das Wetter ist gut - nicht zu heiß . Nachts soll es kalt werden aber das macht nichts: Ich habe einen guten Schlafsack

Schaun wir mal wo ich heute lande.


Mk.9,11

„Und sie befragten ihn sagend: wieso sagen die Schriftkundigen: Elias muss kommen zuerst?“


Während ich mit diesem Satz lief, überlegte ich angestrengt, wer denn wohl diese Frage an Jesus richtete. Dabei ist die Antwort ganz einfach. Das Markusevangelium ist wie ein Drehbuch aufgebaut. Also Petrus, Johannes, Jakobus die Schüler, die Jesus auch zuerst berufen hat, die kommen also mit Jesus vom Berg der Verklärung herunter und stellen ihm diese Frage. Ich kann das gut verstehen. Gerade haben sie die Verklärung erlebt und damit ist es sonnenklar, dass Jesus der Messias ist und wie sollte es anders sein, als dass das Volk Israel jetzt sofort erlöst wird - aber was ist mit Elias der muss doch erst noch kommen?


  1. „Der aber sagt ihnen. Elias zwar kommend zuerst, stellt alles wieder her. Und wieso ist geschrieben über den Sohn des Menschen, dass er vieles leidet und verachtet wird.“


Das hatten die Drei nicht hören wollen so direkt nach der Schau des verklärten Jesus direkt nach der Verklärung war das nicht leicht anzunehmen. Da ist mit dem Herabsteigen von Berg auch eine Talfahrt der Gefühle angesagt.


  1. „Doch ich sage Euch, auch Elisas ist gekommen und sie taten ihm was sie wollten, so wie geschrieben ist über ihn.“


Spricht Jesus hier über sich? Erkennt er, dass mit Ihm auch Elisas da ist? Ich weiß es nicht das können Theologen besser erklären.


Diese Verse bin ich bei schönem Wetter, nicht heiß und etwas Sonne gelaufen. Zunächst bin ich mal daran gegangen den Benpacker besser zu sortieren. Ich hatte total vergessen, wie ich auf der letzten Pilgertour mit Benpacker die Wassersäcke sicher befestigt hatte. Die waren runtergerutscht. So kam ich gegen 14 Uhr los und bin dann erst mal zum Grenzöffnungsstein gelaufen, der wirklich eher unscheinbar ist. Hier im Eichsfeld ist 30 m entfernt davon eine Marienkapelle mit Steinen aus Lourdes erbaut. Dort habe ich gevespert.

Danach ging die Sucherei los. Vom Kolonnenweg keine Spur und hier in der Gegend ist die Grenze ein wahres Labyrinth: Sie verläuft in großen Kurven, die miteinander verschlungen zu seien scheinen. Mit Bernds Hilfe habe ich nach längerem Suchen den Weg, der entlang des ehemaligen inneren Grenzzaunes verläuft gefunden. Hier ist alles grün - die Trockenheit war wohl nicht so schlimm hier. Die Wege sind grasbedeckt. Einen Vater mit seinem Kind traf ich und der erklärte mir, dass es sich um den inneren Grenzzaun handle und er erklärte mir auch wie es weitergehe. Einen grasbedeckten Hügel müsse ich am Ende des Weges, bevor es in den nächsten Ort ginge hochlaufen, dann käme ich hinter dem Hügel wieder auf die Grenze. Diesen Rat hätte ich befolgen müssen. Als ich aber an dem so beschriebenen Wegstück ankam, war ich unsicher, denn ich musste tatsächlich durch sehr hohes Gas und Gestrüpp. Zwei Frauen kamen und meinten, ich hätte vorher abbiegen müssen um auf das Grüne Band zu kommen. Also bin ich eine wenig befahrene Straße zum grünen Band gelaufen. Ein kleines Stück habe ich darauf laufen können und dann endete der Weg auf einem Feld. Damit begann eiOdysee durch Ackerland. Zwischendrin kam ich an Flurbereinigungswege vorbei, die aber in die falsche Richtung führten und sich um die Felder schlängelte. Also bin ich zwei Stunden durch Felder gelaufen - den Benpacker hinter mir herziehend. Immer wieder habe ich geglaubt einen Weg am Ende des Feldes zu erahnen…. Schließlich bin ich wieder auf Flurbereinigungswegen gelandet, die eindeutig in Niedersachsen lagen. Auf denen konnte ich nach Ebickerrode laufen. Später habe ich erfahren, dass diese Wege etwas ganz besonders sind: Sie sind nach dem Bundespräsidenten Karl Carstens benannt, der die ganze Grenze, als sie noch geschlossen war, abgelaufen ist. Dafür wurden eigens Wege entlang der Grenze gebaut und er ist natürlich mit Schutzgeleit gelaufen - in Zeiten des kalten Krieges.

Beim ersten Hof an den ich kam war geschäftiges Treiben. Ich habe gebetet, dass der Konkakt gut verläuft. Diesmal habe ich den heiligen Pater Pio um Hilfe gebeten, über ihn habe ich in letzter Zeit einiges gelesen.

Der Bauer kam vom Trecker herunter und war sofort bereit mich zelten zu lassen - sie hätten auch eine Toilette außen und dort sei auch eine Dusche…welch eine Glück. Seine Schwiegertochter zeigte mir die Stellen mit geradem Untergrund und auch die Toilette und den Heizraum in dem ich Handy laden kann.

Na dieser Heizraum ist so etwas wie eine große Mitarbeiterküche in der auch die Holzheizung steht. Da gibt es alles: Wasserkocher, Kühlschrank und und und.

Es wurde ein sehr netter Abend. Wir haben lange mit Nachbarn, der Schwiegertochter dem Sohn und Enkelsohn beim Bierchen gesessen und erzählt. Von früher wie es war, als die Grenze noch zu war. Im Bach, der die Grenze bildet hat der Bauer als Kind gespielt und wenn die Kühe ausgerissen sind wurden sie auch schon mal aus DDR Gebiet zurückgetrieben. Ein Bauer dessen Feld genau bis an die Grenze reichte hat seinen Traktor immer auf DDR Gelände gedreht beim Flügen. Das hat regelmäßig wütende Lautsprecher Ansagen gegeben vom Grenzpersonal. Und irgendwann waren die Grenzer so sauer, dass ihm die Reifen zerschossen wurden und dann stand der Trecker kaputt in der DDR.

Der erste Grenzzaun war nie direkt auf der Grenze: Es gab da noch etwa 50m Abstand bis zur tatsächlichen Grenze. Einmal sind sie in tiefsten sächsischen Dialekt über Lautsprecher des Landes verwiesen worden und die ostdeutschen Grenzer haben dann das Vieh zurückgetrieben.

Türen, Autos, Fahrräder wurden hier nie verschlossen, weil hierher niemand kam. Ähnliches hörte ich ja auf der Ostseite. Nur war im Osten ein offizielles Sperrgebiet und im Westen hieß das Gebiet hier "Zonenrandgebiet" und für Menschen, die hier wohnten, gab es Förderung vom Staat, weil die Gegend so abgelegen war - eben das Ende einer Sackgasse.

Auf beiden Seiten der Grenze haben sich entlang der Grenze Nachbarschaften gebildet, die auch heute noch sehr eng miteinander verbunden sind. Hier der Bauer liebt Schwalben - es gibt sehr viele Schwalbennester. Auf dem Hof leben nur noch 5 Pferde und einige Hunde. Der junge Bauer macht Brennholz zum Verkauf. Nebenher fährt er noch LKW. Früher gab es hier viele Tiere auf dem Hof. Die Familien hier sind christlich sozialisiert und sie verhalten sich auch noch im Alltag christlich - die Gastfreundschaft ist beeindruckend. Nachdem der Bauer im Bett war, ist er noch einmal aufgestanden um mir Duschgel in die Dusche zu stellen. Das war nicht nötig, aber doch einfach sehr nett.

Die Nacht im Zelt war ruhig und trocken. Als ich vom Duschen zurückkam war das Zelt nass. Also warte ich jetzt auf die angekündigte Sonne um es abzubauen. Und dann geht es weiter.

Das grüne Band ist hier in 150 m Entfernung


 
 
 

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